SecondRadio nah dran | Meisterfeier der Handwerkskammer zu Leipzig | 18.10.2026
Ein Meisterbrief bedeutet Können, Ausdauer und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Bei der Meisterfeier der Handwerkskammer zu Leipzig am 18. Oktober 2026 standen 206 neue Meisterinnen und Meister im Mittelpunkt. SecondRadio war im Gewandhaus dabei – und erlebte neben beruflichem Erfolg auch eine besondere Familiengeschichte.
206 Meisterinnen und Meister aus 16 Gewerken sowie neun Geprüfte Betriebswirte nach der Handwerksordnung wurden bei der diesjährigen Feier ausgezeichnet. Hinter ihnen liegen intensive Lernphasen und anspruchsvolle Prüfungen. Jetzt eröffnen sich neue Möglichkeiten: einen Betrieb gründen, ein Unternehmen übernehmen, Mitarbeitende führen und selbst Nachwuchs ausbilden.
Wie viel dieser Moment bedeutet, weiß Matthias Forßbohm, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, aus eigener Erfahrung. Im Gespräch mit SecondRadio erinnert er sich an seine eigene Meisterfeier: 1996 stand er ebenfalls im Gewandhaus auf der Bühne. Als Jahrgangsbester erhielt er seine Urkunde vom damaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel.
Heute steht Forßbohm auf der anderen Seite und würdigt die Leistungen der neuen Meistergeneration. Die Feier sei Ausdruck der Wertschätzung für das, was die Absolventinnen und Absolventen auf ihrem Weg geleistet haben.
Drei Generationen, vier Handwerksmeister
Für den Kammerpräsidenten war die diesjährige Meisterfeier zugleich ein ganz persönlicher Höhepunkt: Sein Sohn Felix Hugo erhielt ebenfalls seinen Meisterbrief – überreicht vom eigenen Vater.
„Das ist noch mal eine besondere Ehre auf jeden Fall und macht mich auch ein bisschen stolz natürlich“, erzählt der frischgebackene Meister am SecondRadio-Mikrofon.
Auch Matthias Forßbohm macht aus seiner Freude keinen Hehl: „Unendlich stolz“ sei er, dass nun auch sein jüngster Sohn Meister ist. Gemeinsam mit seinem ebenfalls anwesenden Vater zählt die Familie damit vier Handwerksmeister in drei Generationen.
Für die Familie hinter dem Markkleeberger Unternehmen Forßbohm und Söhne verbindet sich an diesem Tag handwerkliche Tradition mit der nächsten Generation. Auch der Großvater zeigt sich stolz und zuversichtlich, dass die Familiengeschichte weitergeht.
Dirk Panter: Verantwortung für die Region
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter betont im Interview mit SecondRadio die Bedeutung des handwerklichen Nachwuchses. Die Unternehmen seien vor Ort verwurzelt, träfen hier ihre Entscheidungen und übernähmen hier Verantwortung. Deshalb brauche Sachsen Menschen, die diesen Weg weitergehen.
Jungen Menschen empfiehlt Panter, eine Ausbildung im Handwerk ernsthaft in Betracht zu ziehen: „Es muss nicht jeder studieren.“ Unterschiedliche Berufe böten die Chance, eine Arbeit zu finden, die zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passt.
Auf die Frage, welches Handwerk ihn persönlich gereizt hätte, wird der Minister ebenfalls konkret: Familiär bedingt wäre es vermutlich das Tischlerhandwerk gewesen. Sein eigener Berufsweg führte zwar in eine andere Richtung – auf die Fähigkeiten guter Handwerkerinnen und Handwerker sei er dennoch oft angewiesen.
Kfz-Handwerk: Technik verstehen und Betriebe führen
Ronny Müller, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Region Leipzig, verbindet seine Glückwünsche mit einem Wunsch an die neuen Meisterinnen und Meister: „Bleibt bitte im Gewerk.“ Die Betriebe brauchen Menschen, die ihr Wissen einbringen und das Handwerk fortführen.
Dabei verlangt der Meisterabschluss deutlich mehr als technisches Können. Müller beschreibt im SecondRadio-Interview besonders die betriebswirtschaftlichen Inhalte als anspruchsvoll: Buchhaltung, Kennzahlen und Unternehmensführung gehören ebenso dazu wie die praktische Arbeit. Wer einen Betrieb führen möchte, muss auch dessen wirtschaftliche Grundlagen verstehen.
Gleichzeitig verändert sich das Kfz-Handwerk mit der technischen Entwicklung. Elektromobilität und digitale Anwendungen stellen neue Anforderungen an die Beschäftigten. Künstliche Intelligenz sieht Müller dabei als Unterstützung, etwa bei Geschäftsprozessen. Menschliches Wissen und handwerkliche Fähigkeiten bleiben für ihn entscheidend.
Nachwuchs gesucht – auch für die Unternehmensnachfolge
Neben Ausbildung und Weiterbildung rückt die Übernahme bestehender Betriebe in den Blick. Müller berichtet von Handwerkern, die aus Altersgründen eine Nachfolge suchen. Für die neue Meistergeneration können sich daraus konkrete berufliche Perspektiven ergeben.
Die Meisterfeier im Gewandhaus würdigte damit persönliche Leistungen und richtete zugleich den Blick nach vorn: auf Menschen, die Betriebe weiterentwickeln, Lehrlinge ausbilden und das Handwerk in der Region mitgestalten.
SecondRadio gratuliert allen Absolventinnen und Absolventen herzlich zum erfolgreichen Abschluss! Unsere Interviews mit Matthias Forßbohm und seiner Familie, Staatsminister Dirk Panter sowie Kfz-Obermeister Ronny Müller geben persönliche Einblicke in diesen besonderen Tag.